Rennbericht X-Trails K43

Am Samstag, dem 25. Juli 2026, stehe ich um 07:00 Uhr an der Startlinie in Davos. Vor mir liegen 43 Kilometer und rund 1’700 Höhenmeter – auf einer Strecke, die sich zwischen 1’600 und 2’750 Metern über Meer bewegt.

Doch die Geschichte dieses Rennens beginnt bereits einige Jahre früher.

Seit meinen ersten Schritten im Trailrunning träume ich davon, genau diese 43 Kilometer durch die Bergwelt rund um Davos laufen zu dürfen. In diesem Jahr schien alles perfekt zusammenzupassen. Während meines Austauschsemesters in Norwegen konnte ich in einer traumhaften Landschaft die Grundlagen für dieses grosse Ziel legen. Die Vorbereitung verlief hervorragend und ich fühlte mich bereit.

Dann kam der letzte Longrun – zwei Wochen vor dem Rennen, auf derselben Strecke, die ich später im Wettkampf laufen sollte. Dabei knickte ich unglücklich mit dem Fuss um. Zunächst schien es keine gröbere Verletzung zu sein. Doch eine Woche vor dem Rennen konnte ich den Fuss aufgrund einer Entzündung der Plantarfaszie plötzlich kaum noch belasten.

Und so stehe ich an diesem 25. Juli an der Startlinie. Ohne zu wissen, ob mein Fuss einen Kilometer durchhalten würde – oder tatsächlich alle 43. Gleichzeitig bin ich fest entschlossen, heute alles zu geben und dieses Ding durchzuziehen.

Das erste Drittel: Von Davos nach Dürrboden
Um Punkt 07:00 Uhr fällt der Startschuss. Mehr als 800 Läuferinnen und Läufer der K43- und K68-Strecken machen sich gemeinsam auf den Weg. Bei perfekten acht Grad Celsius und unter einem stahlblauen Morgenhimmel verlassen wir Davos in Richtung Dischmatal und Dürrboden.

Von Beginn an fühle ich mich erstaunlich gut. Mein Fuss schmerzt nicht und ich kann die beinahe mystische Atmosphäre dieses Morgens vollständig in mich aufsaugen. Die Anspannung der vergangenen Tage weicht langsam der Freude darüber, tatsächlich unterwegs zu sein + ich kann mich genauso verpflegen wie geplant.

Nach rund eineinhalb Stunden erreiche ich Dürrboden bei Kilometer 14 auf ungefähr 2’000 Metern über Meer. Ich liege genau in meinem Zeitplan und habe noch viel Energie. Hier wartet bereits der erste Teil meiner Support-Crew mit neuer Verpflegung auf mich.

Bis hierhin läuft alles perfekt.

Das zweite Drittel: Über den Scaletta- und Sertigpass

Ab Dürrboden werden die Trailrunningstöcke ausgepackt. Vorbei an Kuhherden und begleitet von einem Alphornkonzert beginnt der erste lange Anstieg hinauf zum Scalettapass.

Der Weg führt auf einem schmalen Trail bis auf 2’606 Meter über Meer. Ich finde einen guten Rhythmus, kann mein eigenes Tempo konstant halten und auf dem Weg nach oben sogar einige Läuferinnen und Läufer überholen.

Nach rund zwei Stunden und zehn Minuten erreiche ich den Scalettapass bei Kilometer 18. Noch immer fühle ich mich erstaunlich fit.

Dann folgt jedoch der Abschnitt, den ich im Vorfeld unterschätzt hatte. Die Verbindung zwischen dem Scalettapass und dem Einstieg zum Sertigpass verläuft über einen schmalen und technisch anspruchsvollen Trail. Gleichzeitig beginnen sich meine ersten Magenprobleme bemerkbar zu machen.

Zwei WC-Pausen und ein Sturz bremsen mich deutlich aus. Zum ersten Mal an diesem Tag werde ich auch mental gefordert. Ich verliere Zeit, Rhythmus und für einen Moment auch etwas von meiner Zuversicht.

Doch aufgeben kommt für mich nicht infrage. Die Zeit ist an diesem Tag ohnehin zweitrangig. Es geht darum, weiterzulaufen und das Ziel zu erreichen.

Im zweiten grossen Aufstieg zum Sertigpass finde ich meinen Rhythmus wieder. Plötzlich kommt die Energie zurück. Ich kann erneut Boden gutmachen und mich Schritt für Schritt nach oben arbeiten.

Bei Kilometer 24 erreiche ich auf 2’738 Metern über Meer den höchsten Punkt der Strecke. Auf dem Dach des Rennens nehme ich mir bewusst zwei bis drei Minuten Zeit, um mich richtig zu verpflegen und neue Kraft zu sammeln.

Der Blick in die umliegende Bergwelt ist überwältigend. Gleichzeitig wird mir bewusst, wie weit ich bereits gekommen bin.

Das letzte Drittel: Über Sertig zurück nach Davos

Mit weniger Magenproblemen kann ich im Abstieg über den Grünsee in Richtung Sertig Dörfli wieder ein konstantes Tempo laufen. Der technisch anspruchsvolle Trail fordert weiterhin volle Konzentration, doch ich komme gut voran.

Bei Kilometer 31 erreiche ich Sertig Dörfli. Dort empfängt mich der zweite Teil meiner Support-Crew mit neuer Verpflegung und einer dringend benötigten Abkühlung.

Nun liegen nur noch rund zehn Kilometer zwischen mir und dem Ziel in Davos.

Die letzten Kilometer verlaufen mehrheitlich abwärts, durch zahlreiche Waldpassagen und über einige kurze, aber giftige Gegenanstiege. Schritt für Schritt komme ich dem Ziel näher. Mit jedem Kilometer wächst die Vorfreude – und auch mein Lachen wird immer grösser.

Ich weiss nun: Ich werde es schaffen.

Nach 6 Stunden und 12 Minuten kehre ich schliesslich dorthin zurück, wo alles begonnen hat. Hinter mir liegen exakt 42,98 Kilometer und 1’711 Höhenmeter.

Ich bin noch immer dieselbe Person, die am Morgen an der Startlinie stand – und gleichzeitig um eine unglaubliche Erfahrung reicher.

Genau das ist Trailrunning.

Es geht nicht darum, dass immer alles nach Plan läuft. Es geht darum, weiterzumachen, wenn es schwierig wird. Darauf zu vertrauen, was der eigene Körper und Kopf leisten können. Und am Ende mit einem Lächeln dort anzukommen, wo man einige Stunden zuvor voller Hoffnung gestartet ist.

Ein riesiges Dankeschön gilt meiner unglaublichen Support-Crew. Eure Unterstützung, eure Verpflegung, eure Abkühlung und eure Motivation entlang der Strecke haben einen entscheidenden Teil zu diesem Erlebnis beigetragen. ❤️

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